Quartier im Wartestand: Zweiter Bebauungsplan für die Bürostadt fehlt noch immer

SINN informiert Magistrat über fehlenden Beschluss / FR und FNP berichten / Planungsdezernent Josef ist gesprächsbereit

Am 14. Juli trafen sich die Frankfurter Stadtverordneten zum letzten Mal vor der Sommerpause, doch auch bei dieser Sitzung stand der zweite Bebauungsplan für die Bürostadt nicht auf der Tagesordnung. Das ist bedauerlich, denn die SINN wartet seit ihrer Gründung im April 2014 auf das komplette Planungsrecht für das Quartier. Die Zeit drängt: Zahlreiche Investoren stehen in den Startlöchern.

„In Frankfurt fehlen momentan Wohnungen. Die Bürostadt könnte schon bald Heimat von 10.000 Menschen werden.“
Dr. David Roitman, Vorsitzender der SINN

Der neue Planungsdezernent Mike Josef, den die SINN in einem Schreiben auf die Verzögerung aufmerksam gemacht hat, ist zu Gesprächen bereit. Die Frankfurter Rundschau und die Frankfurter Neue Presse berichteten über den Stand der Dinge. Die SINN hofft nun auf einen Beschluss im September. Auch städtische Investitionen, die aus der Monostruktur ein lebendiges Quartier machen würden, fehlen bisher.

Quartier könnte zum bundesweiten Vorbild für Konversion werden
2012 wurde der ursprünglich geplante Bebauungsplan für die Bürostadt in zwei Teilpläne unterteilt. Mit dem Inkrafttreten des Bebauungsplans Nr. 885 für den östlichen Bereich Bürostadt hat die Stadt Frankfurt 2014 eine erste wichtige Voraussetzung für den Wandel geschaffen. Doch ohne den Beschluss des Bebauungsplans Nr. 872 droht die Entwicklung zu stagnieren. Investoren können so nicht aktiv werden. Mit Blick auf die Wohnungsknappheit in Frankfurt ist der Status Quo auch für die Einwohner Frankfurts bedauerlich. Der letzte Bericht des Magistrats zum Bebauungsplan aus dem Januar 2016 verweist auf rund 3.000 geplante Wohneinheiten. Nur etwa 700 sind bisher fertiggestellt. Nicht zuletzt droht eine große Chance vertan zu werden: Der Wandel der Bürostadt könnte zu einem Vorbild für andere Konversionsprojekte werden.

„In diesem Quartier schlummert enormes Potenzial. Es könnte zu einem bundesweit beachteten Musterbeispiel für die harmonische Verbindung von Büro- und Wohnraum werden.“
Detlef Hans Franke, Geschäftsführer der SINN

Aufenthaltsqualität muss dringend verbessert werden
Beide Bebauungspläne sehen Grünzonen und andere Verbesserungen des Viertels vor. Auch der letzte Magistratsbericht verweist auf den möglichen späteren Bedarf einer öffentlichen Grünfläche und einer sozialen Infrastruktur. Doch das Ziel muss die konkrete, zügige Verbesserung der Aufenthaltsqualität sein, für die Bewohner und die Arbeitnehmer in der Bürostadt. Die Stadt muss nun Konzepte entwickeln und den Wandel in all seinen Aspekten auch finanziell unterstützen. Die SINN entwickelt derzeit ein Freiraumkonzept für einen Teil der Bürostadt, das vorerst auf privaten Grund beschränkt ist.

Fehlende Grundschule und Name werden zum Dauerproblem
Mit Blick auf die Infrastruktur ist insbesondere offen, wo die geplante Grundschule gebaut werden kann. Ein Zeitplan für die Neuregelung des ruhenden und fließenden Verkehrs fehlt ebenso. Für den Bahnhof Niederrad wurde im Rahmen eines studentischen Projekts ein Lichtkonzept entwickelt, es ist aber auch hier offen, ob diese Verbesserung dieses wichtigen Eingangs zum Quartier umgesetzt werden kann. Die SINN hatte für dieses Jahr finanzielle Unterstützung zugesagt. Entlang der Bahntrasse und an den Quartierseingängen muss darüber hinaus der Sicht- und Lärmschutz verbessert werden.

Nicht zuletzt fehlt dem Viertel noch einer neuer Name: Der Ortsbeirat 5 konnte sich, trotz Vorschlägen der SINN, noch zu keiner Entscheidung durchringen. Für das Image des Quartiers und die Vermarktung neugebauter Wohnungen ist das ein großes Problem.

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